Adaption der Erwachsenenbildung

Bezug zum Thema
Im Jahr 2019 habe ich mich für den CAS Lehrgang «Interprofessionelles Leistungs- und Tarifmanagement in Health Care» entschieden. Nach all den Ausbildungen, welche ich besuchen durfte, schien mir das CAS als berechenbares Element. Anfangs Februar 2020 war der erste Tag der Weiterbildung in Zürich. 

Aufbaustudium
Die Theoriemodule an der HWZ waren sehr interessante und für mich wertvolle Grundlagen in Bezug auf das Gesundheitswesen der Schweiz. Alle im Ablauf ähnlich, inhaltlich, aber unterschiedlich und abgestimmt. Frontalunterricht von Fachexperten aus der Praxis, kombiniert mit Gruppenübungen. Mittagessen in Zürich in den Gruppen. Interessante Gespräche. Auch die Anreise mit ÖV war ohne Probleme möglich. Dann kam etwas Unerwartetes. Neben der Ausbildung – im Privaten, im Geschäft, im Radio – hörte man gegen März immer öfter und eindrücklicher, dass da ein Virus anrolle. Bis jetzt war das Leben aber noch normal.

Und plötzlich war alles anders…
Am 13.03.2020 war «Tag der offenen Türe» des CAS in Zürich. Viele bekannte Experten im Bereich des Gesundheitswesens hielten vor Ort an der HWZ in Zürich brandaktuelle Referate zu deren Strategie und Ausrichtung. So viele federführende Persönlichkeiten im Bereich des Gesundheitswesens in einem Raum ist wohl selten. Überschattet wurde der Event jedoch von dem Wissen, dass der Bundesrat am Nachmittag über die künftige Strategie betreffend das Virus informiere. Obwohl ich durch die spannenden Referate abgelenkt wurde, wurde ich irgendwann mit Push-Nachrichten zum Virus und den Massnahmen in der Schweiz überhäuft. So schnell werden wir die HWZ wohl nicht wieder sehen.

Was bedeutet dies für einen Lehrgang, der von der Praxisorientierung lebt? Bei Stakeholder vorbeischauen und deren Rollen, Aufgaben und Herausforderungen wahrnehmen – wie soll das gehen? Wird der Lehrgang abgebrochen? Fragen über Fragen.

und so ging es weiter….
Der Lehrgang wurde nicht abgesagt. Nach einer Schockstarre und einer Studienleitung, welche sich ständig an neue Umstände anpassen musste, wurden irgendwann Termine neu arrangiert. Nachdem sich die Bevölkerung mit dem Virus mental auseinander setzten konnte, ging es darum, einen Wiedereinstieg in die Bildung zu finden. Die Erwachsenenbildung – und somit auch das CAS – standen nie auf der Prioritätenliste des Bundesrates. Umso mehr musste man kreativ werden.

Plötzlich gibt die Technik den Ton an…
Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit Technik und Plattformen fanden die Studienleitung und auch die Studierenden aus der Ohnmacht heraus. An das Modul mit Herrn Bullinger zum Zürcher Verhandlungsmodell kann ich mich gut erinnern. Es war das erste «Onlinemeeting/Onlineevent», welches mich wirklich überzeugte. Es wurde mir bewusst, dass Weiterbildung auch Online möglich ist. Danach ging es inhaltlich in den Normalzustand über, auch wenn die Form neu war. Die Module – mal besser, mal schlechter umgesetzt – waren sehr respektabel. Fairerweise ist diese Streuung weder dem Lehrgang noch der Form geschuldet. Beeindruckend waren virtuelle Führungen durch Firmen, welche man früher besichtigt hätte. Premieren am Laufband. So ist es auch möglich, dass eine Ausbildung auch mit Familie gut kombiniert werden kann. Zwischen Parkgebühren am Zürcher HB und Anreise mit ÖV muss man sich auch nicht mehr entscheiden.

Die Phase der Transferarbeit und Vorteile der virtuellen Treffen
Nach einer erlebnisreichen Zeit haben wir die Zertifikatsarbeit in Angriff genommen. Bedingung: interdisziplinäre Gruppe von mehreren Personen. Früher hätte ich ein Augenmerk daraufgelegt, dass die Gruppenmitglieder nicht allzu weit entfernt leben. Unter den neuen Voraussetzungen wurde dieser Fakt aber sekundär. Unsere Gruppe bestand aus Personen aus Bern, Luzern und Chur. Vor dem Virus hätte diese Distanz abschreckend gewirkt. Mit den neuen Möglichkeiten schien die Lokalität aber sekundär. So war es dann auch. Egal ob Gruppengespräche, Interviews mit Experten oder Begleitung durch die Mendosana – mit den modernen Mittel war dies alles effizient und zielgerichtet möglich.

Fazit
Eine wertvolle Ausbildung. Ich habe viel gelernt. Viel Fachliches. Ich habe aber auch viele Kontakte geknüpft. Und zudem Methodenkompetenz im virtuellen Umgang erlernt, welche ich vielleicht unter anderen Umständen nicht erfahren hätte. Trotz aller Umstände war dies ein wertvoller Lehrgang. Ich freue mich auf die Abschlussfeier – egal ob elektronisch oder physisch. Aktuell wohl eher elektronisch. Aber auch das werden wir (kennen)lernen.

Adrian Zima