BAG-Faktenblätter für die Beprobungsstrategie

Mit Beginn der COVID-19 Pandemie, hat das BAG (Bundesamt für Gesundheit) seit dem 13. März 2020 bis zum 15. März 2021 insgesamt zehn unterschiedliche Faktenblätter, bezüglich der Beprobungsstrategie zur Bekämpfung des Coronavirus, erlassen.

Das erste Faktenblatt beinhaltete rein nur den Covid-Test als Analyse, welcher mit der Inkraftsetzung auch offiziell in die Analysenliste des BAG aufgenommen wurde. Der Umfang des Faktenblattes umfasste inklusive Beprobungsstrategie-Schema, nur zwei Seiten und galt nur für Personen, die unter akuten Atemwegssymptomen (z.B. Husten, Atembeschwerden) litten und/oder Fieber hatten. Zum Vergleich umfasst das aktuelle Faktenblatt (Nummer zehn), mit Gültigkeit ab 15. März 2021, einen Umfang von insgesamt 25 Seiten, welches zusätzlich auf zahlreiche Verweise, Verordnungen, Tabellen etc., verweist. Des Weiteren wurden auch die Testmöglichkeiten und Vorgaben massiv erweitert.

Bereits zu Beginn wurde beschlossen, dass das BAG für die Kosten der Tests für Personen welche unter die Beprobungsstrategie fielen, aufkommt. Der Leistungserbringer verrechnet die Testkosten der jeweiligen Krankenkasse der getesteten Person und diese belastet die Kosten dem BAG weiter. Franchise und Selbstbehalt sind von der Beprobung befreit.

Schwierigkeiten und Herausforderungen der Faktenblätter

Zeitfaktor:
Häufig wurden die Faktenblätter mit einer rückwirkenden Gültigkeit erlassen oder z.B. an einem Freitag publiziert mit einer Gültigkeit ab den darauffolgenden Montag. Selbst vor den Festtagen auf Ende Jahr, hat das BAG am 21. Dezember 2020 Faktenblatt Nummer acht zu erlassen. Diese sehr kurzfristigen Erlasse sorgten bei den Leistungserbringern, welche eine Teststrasse betreiben mussten, für einen enormen Aufwand. Zu bedenken ist, dass die Faktenblätter studiert, umgesetzt und kommuniziert werden müssen. Ein effizientes Zusammenspiel zwischen der Tarifabteilung, IT und den Kliniken ist unumgänglich.

Komplexität:
Je umfangreicher die Faktenblätter wurden, desto schwieriger wurde es, die einzelnen Personengruppen voneinander zu unterscheiden. Auch wurden teils Anforderungen derart komplex wiedergegeben, sodass sehr viel Interpretationsspielraum vorhanden und somit sowohl Leistungserbringer als auch Leistungszahler uneinig über deren Umsetzung waren. Des Weiteren hat das BAG für die Beprobungsstrategie eigen dafür definierte Leistungen publiziert. Allerdings war häufig unklar, welche effektiven Aufwände die Leistungen beinhalten. Das folgende Schema aus dem zehnten Faktenblatt, mit der Gültigkeit ab 15. März 2021, soll die Komplexität veranschaulichen:

Interessenkonflikt:
Mit der stetigen Erweiterung der zu testenden Personengruppen, stiegen auch die Gesamtkosten für die Tests beim BAG. Das Vorhaben, die Infektionszahlen gering zu halten, um die damit verbundene Ausbreitung des Virus zu hindern, wurden mittels Preissenkungen der molekularbiologischen Tests und dynamischen Preisentwicklungen, bei entsprechender Anzahlt Tests, vorgenommen. Die Aufwände der einzelnen Tests blieben allerdings gleich. Dies sorgte bei einzelnen Leistungserbringern für Unmut und Unverständnis. Die damit verbundenen Preis- und Prozessanpassungen führten die Leistungserbringer an ihre Grenzen.

Erkenntnisse aus dem CAS
Nebst der steigenden Solidarität während der Pandemie, hat uns diese auch gelehrt, dass nur gemeinsam ausserordentliche Lagen überwunden werden können. Aufgrund des CAS, musste ich meine Sichtweise gegenüber den Leistungszahlern überdenken und anpassen. Die einzelnen Kurstage aus dem Aufbaustudium, die Studytours und die interprofessionellen Austausche, haben mein Verständnis erhöht bezüglich dem Praxisalltag der anderen Player im Gesundheitssektor.

Fazit
Kann man dem BAG einen Vorwurf machen, für all die Aufwände mittels Faktenblätter während der Pandemie? Bedingt, denke ich. Dem BAG fehlen ebenfalls die nötigen Erfahrungswerte, um einfachere und plausiblere Faktenblätter zu erlassen. Wichtig ist allerdings, dass zukünftige Praxiserfahrungen berücksichtigt und in die Tat umgesetzt werden, damit unser ohnehin stressiger Arbeitsalltag etwas erleichtert wird. Ich bin zum Entschluss gekommen, dass die einzelnen Akteure aus der Gesundheitsbranche, nur gemeinsam für eine qualitativ hochwertige Medizin- und für ein gutfunktionierendes Gesundheitssystem sorgen können, wie auch bei der Bekämpfung der Pandemie.

Sahit Cerimi