CAS-Studientag 5: Tarifzukunft Schweiz

Tarifzukunft Schweiz
Ein täglicher Blick in die Tageszeitungen der Schweiz zeigt, das Gesundheitswesen findet grosses Interesse in der Bevölkerung. Kaum vergeht ein Tag ohne dass darüber berichtet wird. Dies ist auch wichtig, da in Zukunft innovative Lösungen gefragt sein werden.

Mit grosser Vorfreude startete ich in unseren fünften Studientag innerhalb des CAS “Interprofessionelles Leistung- und Tarifmanagement in Health Care”. Namhafte Akteure des Gesundheitswesens wurden eingeladen Input-Referate zum Thema «Tarifzukunft Schweiz» zu halten. Diskutiert wurden Fragen wie: «Wie könnten Rollen und Verantwortungen idealer wahrgenommen werden zum Nutzen des Gesamtsystems?».

Optik der Tarifstrukturgestalter
Auf den ersten Blick mag eine Tarifstruktur in der Theorie einfach wirken, aber in der Realität ist sie hochkomplex. Dies widerspiegelten die verschiedenen Referate und Zukunftsvisionen der Akteure von SwissDRG, curafutura, tarifsuisse AG und ats-tms AG. Mit Fragen aus dem Publikum und den daraus entstandenen Diskussionen wurden Spannungsfelder sichtbar.

Einig ist man sich, dass veraltete Tarifstrukturen wie z.B. der TARMED erneuert werden müssen. Geht es jedoch um die Umsetzung möglicher Lösungsideen, verfolgen die Akteure verschiedene Rezepte.
Mögliche Visionen sind Pauschaltarife, neue Einzelleistungstarife, Tarifkombinationen, Einführung des Tardoc oder die Gründung eines ambulanten Tarifbüros. Wichtig schien allen die Beibehaltung und Förderung der Tarifautonomie, sowie dass zukünftige Tarifstrukturen zwingend fortlaufend gepflegt werden müssen.

Optik der Preisgestalter / Kanton
Im zweiten Teil lag der Fokus auf der Verhandlung von Preisen, dem dazugehörigen Vorgehen, und den daraus entstehenden Möglichkeiten und Auswirkungen. Es wurden Input-Referate durch die Vertreter von diespitäler.be, HSK, CSS, tarifsuisse und dem Spitalamt BE gehalten.

Was sagt das Gesetz über die Festlegung von Tarifen und Preisen? Hierzu gibt der KVG-Artikel 43 Absatz 4 Aufschluss:

“Tarife und Preise werden in Verträgen zwischen Versicherern und Leistungserbringern (Tarifvertrag) vereinbart oder in den vom Gesetz bestimmten Fällen von der zuständigen Behörde festgesetzt. Dabei ist auf eine betriebswirtschaftliche Bemessung und eine sachgerechte Struktur der Tarife zu achten.”

Auf dem Weg zu einem Abschluss eines Tarifvertrages sind verschiedene Hürden zu bewältigen. Alle Akteure verfolgen auch hier verschiedene Rollen, Aufgaben und Sichtweisen. Äussere Umstände wie der Kostenspardruck der Politik und die fortschreitende Digitalisierung bilden zukünftig weitere Herausforderungen. Hinzu kommt der Umgang mit besonders teuren Medikamenten/Therapien welche rasche und innovative Lösungen erfordern.

In den Referaten wurden unterschiedliche Lösungsideen diskutiert wie z.B. die einheitliche Finanzierung von ambulant und stationär, eine überregionale Versorgungspolitik, eine einheitliche Datengrundlage, Förderung zur Messung der Qualität und die Aufrechthaltung der Tarifautonomie.

Gewonnene Eindrücke
Wie in einem Teamsport gilt auch im Gesundheitswesen: erfolgreich können wir nur zusammen sein. Auch durch Vorgaben im Gesetz sind wir verpflichtet zusammen Tarifstrukturen, Verträge und Preise zu gestalten.
Das persönliche Kennenlernen der Akteure und die Diskussionen empfand ich als Bereicherung für meinen Praxisalltag. Durch die vielseitigen Referate konnte ich neue Eindrücke gewinnen, interessante Informationen, Visionen und Möglichkeiten kennenlernen. Mein Verständnis für das komplexe Gesundheitssystem und die unterschiedlichen Rollen der Tarifpartner, konnte ich dadurch erweitern.

Fabian Pulfer

Link zur HWZ-Homepage