CAS-Studientag 7 – „Spannungsfelder Datenschutz / Vertrauensarzt“

Die Vertrauensärzte stehen mit ihren Entscheidungen oftmals im Fokus der Öffentlichkeit und Politik. Durch die immer höher steigenden Gesundheitskosten häufen sich Diskussionen zu Nutzen und Kosten von Arzneimitteln, und Empfehlungen werden zunehmend kritisch hinterfragt.

Vergütung von Arzneimittel im Einzelfall
Die Vertrauensärzte befinden sich oftmals in einer Sandwich-Position. Patientinnen und Patienten möchten möglichst gleich behandelt werden. Und trotzdem kommt der Vertrauensarzt oftmals nicht um eine unterschiedliche Einzelfallbeurteilung herum.

Das KVG hält in Art. 57 fest, dass Vertrauensärzte die Krankenversicherer versicherungsmedizinisch beraten. Sie müssen ihre Fallbeurteilung von Gesetzes wegen unabhängig von Versicherern, Leistungserbringern und Patienten erbringen. Unser Dozent hat betont, dass in der Schweiz bereits ein regelmässiger Austausch zwischen Vertrauens- und Versicherungsärzten (SGV) stattfindet. Ich finde es wichtig, dass sich diese Experten regelmässig austauschen und komplexe Fälle gemeinsam beurteilen. Immer wieder versetzte ich mich in die Patienten, welche schwer krank sind und schnellstmöglich individuelle Lösungen benötigen. Auch der Art. 71 a-d KVV wird im Unterricht thematisiert.

OLUtool, das Nutzenbewertungsmodell
Welche Instrumente stehen den Vertrauensärzten zur Verfügung, damit sie die medizinische Beurteilung vornehmen können? Um die Fälle standardisiert und rasch beurteilen zu können, nutzen die vertrauensärztlichen Dienste u.a. das so genannte OLUtool (Off-Label-Use-Tool).

Werden die Empfehlungen vom Vertrauensärztlichen Dienst primär zum Wohle des Patienten gefällt oder steht ein wirtschaftliches Interesse entgegen? Es braucht wohl beide Sichtweisen. Die Ökonomen, welche von Medizinern darüber informiert werden, was therapeutisch sinnvoll ist, während die Mediziner durch die Ökonomen einen klaren Blick auf die im KVG geforderte Wirtschaftlichkeit erhalten.

Mein Fazit:

  • Der interprofessioneller Austausch im Gesundheitswesen wird in Zukunft immer wichtiger.
  • Alle Parteien müssen ihre Kostenverantwortung wahrnehmen.
  • Beurteilungen sollen kompetent und im Interesse der Versicherten und Patienten erfolgen.

Den zweiten Teil des Studientags G1 zum Thema „Vertrauensarzt“ fand ich sehr lehrreich und spannend. Unser Dozent, selbst Vertrauensarzt bei einer grossen Versicherung, schaffte es durchgehend, mit seiner grossen Erfahrung und viel Humor, unsere Aufmerksamkeit bei Laune zu halten. Ich freue mich bereits heute auf die Study Tour vom 6. Dezember bei der CSS in Luzern. Ob wir bei unserer Betriebsbesichtigung auch die „verschlossenen Räume“ der Vertrauensärzte besuchen dürfen?

Es bleibt spannend – lassen wir uns überraschen!

Eveline Koller