Das Belegarztsystem

Bezug zum Thema
Im Jahr 2000 startete ich meine Ausbildung zur Pflegefachfrau in der Lindenhof Schule Bern. Während verschiedener Praktika kam ich erstmals mit dem Belegarztsystem des Lindenhofspitals in Berührung. Das Arbeiten mit unterschiedlichen Belegärzten* war spannend und sehr bereichernd. Rund zwanzig Jahre später, im November 2020, durfte ich im Rahmen meines Studiums «Interprofessionelles Leistungs- und Tarifmanagement in Health Care» der Mendo Sana AG, mittels einer virtuellen Veranstaltung, die Lindenhofgruppe und das Belegarztsystem aus einem ganz neuen Blickwinkel kennenlernen und mein Wissen während der Study Tour erweitern.

Über die Lindenhofgruppe AG
1899 fand die Gründung der Lindenhofspital Pflegeschule statt. Die Lindenhofgruppe AG besteht, seit dem Zusammenschluss im Jahr 2012, aus drei Berner Spitälern: Lindenhof, Sonnenhof und Engeried und ist, nebst dem Unispital, die grösste Anbieterin von medizinischen Leistungen im Kanton Bern. Es werden allgemeine, halbprivate und private Patienten betreut, wobei der grösste Teil allgemein versichert ist.

Erklärungen zum Belegarztsystem
Es ist mir wichtig, das Belegarztsystem an dieser Stelle kurz zu erklären: Ein Belegarzt hat einen Fachtitel und mehrjährige Erfahrung als Oberarzt oder leitender Arzt. Nebst der Tätigkeit im Spital führt er parallel eine eigene Praxis. Somit wird den Patienten eine lückenlose und kontinuierliche Betreuung auch während eines Spitalaufenthaltes gewährleistet. Die Zusammenarbeit zwischen Spital und Belegarzt wird in einem Vertrag geregelt. Dieser Belegarztvertrag bindet den Arzt an das vertragsausstellende Spital.

Der Belegarztvertrag ist ein sehr weitreichender Vertrag. Er beinhaltet unter anderem Punkte wie Selbständigkeit, Verantwortung, Haftung, Versicherung und Vorsorge, Teilnahme am Bereitschaftsdienst, Qualitätssicherung sowie Rechte und Pflichten des Belegarztes. Des Weiteren wird die Nutzung der Infrastruktur, die Abrechnung und Abgeltung der Kosten darin geregelt. Der Belegarztvertrag gilt als Rahmenvertrag und bildet, zusammen mit dem Reglement, die Grundlage für alle weiteren organisatorischen Vorgaben. Ziel ist, gemeinsam mit den Belegärzten einen effizienten und reibungslosen Spitalbetrieb zu gewährleisten.

Bezug zur Lindenhofgruppe AG
Die aktuellen Herausforderungen im Belegarztsystem sind die steigenden Leistungsaufträge, die Spitallistenvergabe, höhere Anforderungen an die Organisationsstruktur und die Nachfolgeplanung von austretenden Belegärzten sowie die Vorgabe in Bezug auf die Assistenzarztausbildung.

In der Lindenhofgruppe AG werden drei verschiedene Versorgungsmodelle gelebt. Das Belegarztsystem, das System bei welchem Ärzte mit einem Arbeitsvertrag durch das Spital angestellt werden und als dritte Form das hybride Modell: Es besteht aus einem Mix von Beleg- und angestellten Ärzten.

Persönliches Fazit
Wir befinden uns in einem Wandel und stehen medizinisch vor neuen Herausforderungen. Durch das steigende Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung, den demografischen Wandel, die Digitalisierung und die steigenden Gesundheitskosten werden alte Strukturen hinterfragt und umgestaltet. So auch das Belegarztsystem. In manchen medizinischen Fachrichtungen ist es schwierig, eine Nachfolge für Belegärzte zu finden. Die «hybride» Form aus Beleg- und angestellten Ärzten, scheint mir trotz der organisatorischen und strukturellen Herausforderungen ein gutes Modell. Somit können die Ärzte gegenseitig von unterschiedlichem Wissen profitieren und gemeinsam eine medizinisch hochstehende Versorgung gewährleisten.
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* Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel nur die männliche Form verwendet. Die weibliche Form ist selbstverständlich immer miteingeschlossen.

Franziska Kuster