Ein spannender Einblick in die Labordiagnostik

Vieles ist einem durch die tägliche Arbeit und die Berufserfahrung KLAR, gewisses wird einem jedoch durch den CAS BEWUSST.

Zum Abschluss unseres Lehrganges verbrachten wir nochmals eine spannende, virtuelle Session unter der Führung der Roche Diagnostics. Als gemeinsame Grundlage erarbeiteten wir uns Basiswissen zur Analysenliste AL bzw. frischten uns dieses wieder einmal auf. Wie werden Grosslabors, Spitallabors, Arztpraxen (Grundversorger) und neu auch Apotheken differenziert? Was verstehen wir unter POC? Ist uns bewusst, dass die Analysenliste AL ein Höchsttarif darstellt und Analysen auch zu tieferen Werten abgerechnet werden könnten? Aus welchen Gründen gibt es keinen Auslandpreisvergleich bei der Preisfestlegung der AL? Wer ist die FAMH und wie lässt sich die FB in der Analysenliste einordnen? Aus welchen Gründen werden gewisse Leistungen unter Tarmed (Pathologie – Gewebediagnostik) und andere wiederum unter der AL (sonstige Diagnostik) abgebildet?

Anhand eines topaktuellen Themas wurde uns auf Basis der SARS-CoV-2 Diagnostik die Wichtigkeit der Fragestellung und daraus resultierend die richtige Antwort bzw. der richtige Test zur richtigen Zeit aufgezeigt. Besteht eine anhaltende Infektion und soll der Test das Virus detektieren? Dann sollte ein sogenannter Antigen-Test durchgeführt werden. Besteht eine vergangene Infektion und soll der Test die Immunreaktion detektieren und eine mögliche Immunität aufzeigen? Dann sollte ein Antikörper-Test durchgeführt werden.

Augenfällig geworden ist mir wieder einmal mehr, das als klarer Vorteil im Prozess der Antragsstellung für eine neue Leistung in der Analysenliste aus meiner Sicht gesehen sicher hervorzuheben ist, dass nebst der Aufnahme in die Liste der kassenpflichtigen Laborleistungen zugleich auch die Bewertung der Leistung stattfindet. Das heisst, die Aufnahme in die Liste ist automatisch mit einer Tarifierung derselben verbunden. Wäre ein solcher Prozess z.B. ebenfalls beim Anhang 1 der KLV denkbar?

Auch im Bereich der Diagnostik greifen Kostendämpfungsmassnahmen. Die Analysenliste wird laufend überprüft und infolge des technischen Fortschrittes, von günstigerem Material etc. werden die Taxpunkte TP einer Analyse auch gesenkt. Eine solche Reduktion erfolgte z.B. per 01.12.2020 im Rahmen der PCR Analysen in der Mikrobiologie.

Das Geschäftsfeld der Diagnostik und der personalisierten Medizin reicht jedoch weit über den Bereich der Laboranalysen hinaus. Den Einfluss und das Potential welches Biomarker in den Prozess der klinischen Entscheidungsfindung haben könnten ist sehr gross. Die Labordiagnostik liefert bereits heute wichtige Informationen zur Prävention von Krankheiten, zur Früherkennung und Diagnose, zur Therapieentscheidung (insbesondere im Rahmen der personalisierten Medizin) und zum Krankheitsverlauf/Therapieerfolg. Früher war es die Aufgabe von IVD Tests, ein valides Resultat zu liefern – es bestand also ein rein analytischer Prozess mit einer Konzentrationsangabe als Resultat. Heute ist ein Laborresultat, verbunden mit diversen anderen Informationen, eine wichtige medizinische Information, die Einfluss hat auf Patienten Outcome und Gesundheitskosten. Interessant ist daher der Ansatz, dass aktiv Gesundheitskosten eingespart werden könnten da das Labor eine entscheidende Rolle bei den klinischen Entscheidungen haben könnte jedoch nur einen kleinen Anteil an zusätzlichen Kosten auslösen würde.
Am Bsp. der Präeklampsie wurde uns aufgezeigt, wie durch den sFlt-1/PIGF-Test, welcher seit Juli 2019 aus der OKP vergütet wird, die Hospitalisierungsrate gesenkt werden konnte. Durch diese vorgelagerte, zusätzliche Testung können somit hohe Folgekosten eingespart werden. Der Test fällt mit 160 TP verhältnismässig tief aus.

Die Labordiagnostik weist bereits heute ein grosses Potential als Basis für eine optimale klinische Entscheidungsfindung und nachgelagerte Einsparung von Gesundheitskosten aus. Als weitere Beispiele wurden uns die nachfolgenden Bereiche genannt:

Die Höhe der Taxpunkte in der Analysenliste wird heute durch Geräte-, Material- und Personal-Kosten definiert. Der Aufwand der Methode bestimmt den Tarif. Ein interessanter Ansatz könnte sein, den Nutzen der Analyse in der Vergütung mit zu berücksichtigen. Die Analysenliste ist zwar WZW-konform jedoch fehlt ihr eine Nutzen/Wert-basierte Tarifierung. Es wäre sinnvoll, dies im Gesundheitssystem noch zu verankern.

Rückblickend auf den spannenden CAS-Tag bei Roche Diagnostics bleibt mir nur noch festzuhalten:

verstehen – weiterdenken – gestalten

Eliane Hofer

Bild-Quellen: Foliensatz Roche Diagnostics (Schweiz) AG