Fachkräftemangel in der Schweiz

Bezug zum Thema
Seit Ausbruch der COVID-19 Pandemie lese ich fast täglich, wie das Schweizer Gesundheitssystem und die Spitäler überlastet sind. Nicht nur seit Ausbruch der Pandemie ist das Thema der Fachkräftemangel im Schweizer Gesundheitssystem ein Dauerbrenner. In der Studientour von Monvia Gesundheitszentrum in Wallisellen wurde auf das Thema des Fachkräftemangels in der Grundversorgung, sprich der HausärzteInnen, eingegangen. Ich möchte deshalb in diesem Blog über das politische Dauerthema in der Schweizer Gesundheitsbranche eingehen.

Was sind die Gründe für den Fachkräftemangel in der Schweizer Grundversorgung?

  1. Zu wenige Ausbildungsplätze:
    Der Eintritt in das Medizinstudium ist stark reguliert durch den Eignungstest «Numerus Clausus», das heisst, nur eine stark beschränkte Anzahl StudentenInnen können nach bestandenem Eignungstest mit der Ausbildung beginnen. Danach dauert die Ausbildung bis zum Hausarzt/Hausärztin mehrere Jahre (nach minimum 5 Jahren bis zum Masterdiplom schliesst sich eine 5- oder 6-jährige Ausbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt an). Es werden in der Schweiz also weniger FachärzteInnen ausgebildet als nötig wären.
  2. Pensionierung, Ersatz durch Teilzeitarbeitende:
    Eine Studie der Credit Suisse aus dem Jahr 2019 zeigte (CS, 2019), dass in den nächsten Jahren überproportional viele Menschen pensioniert werden (Pensionierungen der Baby-Boomer, Jahrgänge 1946–1964). Zusätzlich möchte die heutige Generation vermehrt Teilzeit arbeiten, weshalb die «Arbeitsgeneration» durch Teilzeitarbeitende ersetzt wird, was bei gleicher Anzahl Ausbildungsplätzen zu weniger Arbeitsprozenten führt.
  3. Entlöhnung:
    Hausärzte/Hausärztinnen machen weniger Umsatz, weshalb die Entlöhnung oft tiefer ausfällt und einen tieferen Anreiz entstehen kann, diese Fachrichtung zu wählen.
  4. Auslandabhängigkeit:
    Zwar werden Diplome und Facharzttitel der Mitgliedsstaaten der EU in der Schweiz anerkannt, aber nicht alle Fachrichtungen und Zusatzbezeichnungen, die im Ausland gängig sind, lassen sich in das Schweizer System übertragen. Zudem kann die Schweiz nicht darauf vertrauen, dass immer genügend Fachkräfte vom Ausland in die Schweiz zuwandern und dass die zugewanderten FachärzteInnen auch die entsprechende Landessprache flüssig beherrschen um die gewohnt hohe Qualität der Versorgung sicherzustellen.

Beobachtungen an der Monvia Studientour
Während der Studientour bei Monvia wurde mir aber auch bewusst, dass ein Stadt-Land Graben existiert und Standorte, wo Hochschulen mit Studium in Humanmedizin angeboten wird, eine höhere Ärztedichte aufweisen. So versucht das Gesundheitszentrum Monvia in Wallisellen den Fachpersonalmangel mittels folgenden Anreizen zu überwinden: die Praxis ist modern eingerichtet, mehrere Disziplinen arbeiten Hand-in-Hand, Flexibilität sowie Teilzeitarbeit ist möglich und zudem liegt sie Nahe bei der Studienstadt Zürich.

Wie könnte der Mangel an Fachpersonal in der Grundversorgung, vor allem auch auf dem Land, besser adressiert werden?

  • Umverteilung von Aufgaben an weiteres Gesundheitspersonal, wie MPA oder ApotherkerInnen sofern möglich
  • Digitalisierung ermöglichen schnellere Prozesse, erhöhen die Effizienz und können den administrativen Aufwand verringern, vernetzt ÄrzteInnen besser und können somit die Anstellungsbedingungen verbessern
  • Erhöhen des Anreizes für die Facharztrichtung in der Allgemeinen Inneren Medizin durch zusätzliche Vergütungsmöglichkeiten und attraktivere Arbeitsbedingungen
  • Mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen

Fazit
Es wird zum Wandel kommen im Gesundheitssystem. Dank Gruppenpraxen ist Flexibilität und Teilzeitarbeit möglich und der Hausarzt/die Hausärztin wird sich vom Einzelkämpfer hin zum Teamplayer wandeln. Die aktuelle Corona-Situation zeigt, dass wir abhängig sind von einem gut funktionierenden Gesundheitssystem und verleiht der Digitalisierung einen Schub.

Referenzen
• CS. (2019, September 17). Babyboomer gehen in Rente. Das verstärkt den Fachkräftemangel. Abgerufen 01. April 2021, von https://www.credit-suisse.com/ch/de/unternehmen/unternehmen-unternehmer/aktuell/babyboomer-gehen-in-rente-das-verstaerkt-den-fachkraeftemangel.html
• Bildquelle: SAEZ (2017) – FMH-Ärztestatistik 2016; 98(13):394–400

Nicole Graf