Studien-Reflexion einer Studierenden über den Wert Interprofessioneller Zusammenarbeit (IPZ)

Bezug zum Thema
Dieser Blog – als Selbstreflexion und integrierter Teil des Studiums – soll einige signifikante Themen und Bereiche erläutern, die für mich persönlich sehr lehrreich und spannend waren und mir in meinem beruflichen Alltag einen grossen Nutzen erweisen.

Vom Aufbaustudium bis zur Transferarbeit
Der Studiengang “CAS Interprofessionelles Leistungs- und Tarifmanagement in Health Care” an der HWZ Zürich, hat mir ermöglicht mein bisheriges Fachwissen gezielt zu vertiefen. In einer ersten Phase (Aufbaustudium) werden während ca. zwei Monaten Grundlagen, Kernprozesse und Standards vermittelt. Gute Vorkenntnisse der Gesetzlichen Grundlagen (Sozialversicherungen, Fokus KVG) und grundlegendes Verständnis der Tariflandschaft Schweiz sind dabei unerlässlich und werden vorausgesetzt.

In der zweiten Phase (Praxis-Studium) ermöglicht dieser Lehrgang durch sogenannte “study tours” vertiefte Einblicke der (Teil-) Prozesse vor Ort bei verschiedenen Stakeholdern im Gesundheitssystems Schweiz (Kollaborationspartner). Fallstudien und Prozessanalysen runden dabei das Erlernte ab und ermöglichen laufend eine Vorbereitung in die Schlussphase – der CAS Transferarbeit.

Study tour Roche Pharma Schweiz
Die Einblicke in die Teilprozesse der Roche Pharma Schweiz waren für mich besonders interessant. Der Weg der Forschung bis hin zur Anwendung/Vermarktung eine Medikamentes wurde eingehend vorgestellt. Von der Verteilung der Investitionskosten in den verschiedenen Prä-/Klinischen Phasen, den Erfolgsquoten der Medikamenten-Entwicklung und der Entwicklung von innovativen Therapien war alles dabei. Der Market Access Exkurs führte über die grundlegenden Vorgaben der Zulassung durch Swissmedic und einer möglichen SL-Aufnahme. Die Diskussionen und Ansichten über Ethische Aspekte und Herausforderungen bei der Finanzierung von innovativen Medikamenten (Spannungsfeld Preisfindung) waren sehr anregend.

Study tour Roche Diagnostics
Einen vertieften Einblick in die Prozesse der Aufnahme eines Biomarkers in die Analysenliste und der Preisfindung dafür erhielten wir bei Roche Diagnostics. Der Anteil der Kosten von Laboranalysen im Verhältnis zu den Gesamtkosten der Gesundheitsausgaben weltweit haben mich beeindruckt. Die Wichtigkeit von Laboranalysen und deren Nutzen wurde uns allen spätestens mit Ausbruch der Corona Pandemie bewusst. Daneben bilden Laboranalysen oftmals die Basis für Entscheide in der Klinik. Auch an diesem Studientag wurden Themen wie Wert basierte Vergütung (VBHC), Digitalisierung im Gesundheitssystem und der Nutzen von digitalen Produkten angestossen, um nur einige zu nennen.

Study tour Novartis Campus Basel
Der Tag war vollgepackt mit Informationen zum Health Technology Assessment (HTA). Der geschichtliche Rückblick bis ins 18. Jahrhundert (Geigy (1758), CIBA (1859), Sandoz (1889) und Novartis (1996) waren ein erfrischender Einstieg in den Tag. Uns wurde Einblick in Forschungs-, Produktions- und Vertriebsstandorte von Novartis gewährt. Der HTA Prozess wurde am Beispiel der SL-Aufnahme für Arzneimittel als Prozess, der wissenschaftliche Evidenz mit politischer Entscheidfindung verbindet, verständlich veranschaulicht. Daneben wurde spezifisches Wissen in Bezug auf Auslandpreisvergleich (APV) und therapeutischem Quervergleich (TQV) vermittelt.

Die Unterschiede im Zugang zu Arzneimittel für seltene Krankheiten innerhalb von Europa wurden im Hinblick auf die Ausrichtungen (primär ökonomisch oder primär auf klinischen Gesichtspunkten basiert) vorgestellt. Auch sogenannte MEA’s (Managed entry agreements) wurden an Beispielen von SL-Limitationen erklärt. Die Kosten-/Nutzen-Bestimmungen bei medizinischen Behandlungen wurden analysiert und mit den gesellschaftspolitischen und ethischen Fragen gespiegelt. In diesem Zusammenhang kam auch die Diskussion über die sogenannten QUALYs (quality-adjusted life years) nicht zu kurz. Dieser Studientag war für mich persönlich der wertvollste.

Fazit
Alle Study tours waren eine riesige Bereicherung: Einsicht in Leistungsprozesse (ambulante und stationäre) bei Grundversorgern oder grossen Spitälern, Einblicke in die Arbeitsprozesse von anderen Krankenversicherern, Vorstellung der Prozesse bei Versandapotheken etc. ermöglichen ein sich fast auf natürliche Weise einstellendes übergeordnetes Verständnis für die Prozesse der anderen Player im Ökosystem Gesundheit. Den Nutzen aus dieser Vernetzung (Mehrwert) habe ich persönlich längst erkannt.

Interprofessionelle Zusammenarbeit (IPZ) als Motivation für unsere Transferarbeit
Diese Erkenntnis hat mich und einige meiner Studienkollegen/-innen aus dem CAS-Lehrgang dazu veranlasst, das Bedürfnis nach Interprofessioneller Zusammenarbeit (IPZ) innerhalb der eigenen Unternehmen am Profil neu eintretender Mitarbeiter zu analysieren. Unsere Transferarbeit verfolgt die Frage, ob IPZ eine geeignete Massnahme ist um Mehrwerte für die Player im Gesundheitssystem zu generieren.

Concetta Saia
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