Qualität im Gesundheitswesen

Zum Studientag E1-Tarifzukunft Schweiz
Am heutigen Studientag durften wir uns an zwei spannenden und angeregten Experten-Diskussionen zum Thema Tarifzukunft Schweiz mit einer Vielzahl hochkarätiger Referenten erfreuen.

Kantonaler Exkurs…..
Ursprünglich wollte ich meinen Blog dem Föderalismus mit den 26 Gesundheitswesen der Schweiz widmen, welcher in diversen Studientagen als träges und teilweise der Innovation im Weg stehendes Element wiederkehrender Kritik ausgesetzt war. Jedoch hat mich dann die aktuelle Covid-19 Pandemie auf andere Gedanken betreffend Blogthema gebracht: Heute ist der vorerst letzte Studientag an der HWZ nachdem der Bundesrat zur Eindämmung von Covid-19 zusätzliche Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung erlassen hat und die Hochschulen geschlossen werden. Das Tessin hat entsprechende Vorkehrungen bereits etwas früher getroffen, um den lokalen Gegebenheiten Rechnung tragen zu können. Ob dieser Alleingang des Tessins und die unterschiedliche Umsetzung nationaler Vorgaben durch die Kantone zu Beginn der Pandemie jeweils richtig war, sei nun dahingestellt. Viel mehr beschäftigt mich jedoch der Gedanke, dass das Gesundheitswesen in dieser Zeit auf eine harte Probe gestellt wird und sich in Extremsituationen die Stärken und Schwächen eines Systems jeweils deutlicher zeigen. Das bringt mich zu einem wichtigen Aspekt der heutigen Experten Diskussion – die Frage nach der Qualität.

…und zum eigentlichen Thema
Während die Schweizer generell mit dem vermeintlich besten Gesundheitswesen der Welt (respektive den 26 besten Gesundheitswesen) zufrieden sind, ist erstaunlich wenig zur effektiven Qualität bekannt. Das soll sich nun ändern, dank Art. 58a, Abs. 2 KVG, welcher Details zur Regelung der Qualitätsverträge zwischen den Verbänden der Leistungserbringer und der Versicherer enthält.

Qualitätskriterien
Die heutige Podiumsdiskussion hat deutlich vor Augen geführt, dass qualitätssichernde Massnahmen generell von allen Parteien als relevant angesehen werden. Es wurde jedoch auch klar, dass je nach Perspektive sehr unterschiedliche Aspekte von Interesse sind und Qualität sehr unterschiedlich interpretiert werden kann.

Tarifpanel 13. März 2020

Tarifpanel 13. März 2020

Es stellt sich also die Frage wofür optimiert und was erfasst werden soll. Soll gemessen werden, wie zufrieden der Patient mit einer Behandlung ist, schliesslich steht der Patient im Mittelpunkt? Sollen also bald alle Ärzte mit Sternen bewertet werden?

Schnell werden Stimmen der Leistungserbringer laut, dass solch subjektive Qualitätsmerkmale nur bedingt mit der medizinischen Qualität zusammenhängen und zu ungewollten Nebenwirkungen im System führen werden. Nichtsdestotrotz befragen gewisse Krankenversicherer bereits heute ihre Versicherten bezüglich deren Zufriedenheit mit den erhaltenen Leistungen und die Resultate werden angeblich von den Leistungserbringern mit Interesse aufgenommen.

Qualitätsverbesserung
Neben subjektiven Kriterien wurden auch verschiedene Ideen von objektiven Qualitätskriterien vorgeschlagen. So könnten medizinische Guidelines und bewährte Therapiepfade gemessen werden um Abweichungen von sogenannter Good Practice zu erfassen. Diese könnten dann mit einem Bonus-Malus-System finanzielle Anreize schaffen, welche gute Qualität belohnt und fördert. Auch Pay-for-Performance Ideen wurden besprochen. Dabei wird nicht die erbrachte Leistung vergütet, sondern der damit erzielte Erfolg. Solche Modelle kommen in Einzelfällen bei Medikamenten bereits heute zum Einsatz. Die Herausforderung besteht sicherlich darin, sich auf Kriterien zu einigen, welche «Erfolg» definieren und diese zuverlässig messen zu können. Gerade in unserem föderalistischen System stellt dies sicherlich keine leichte Aufgabe dar. Doch auch hier gilt; Möchte man weiterkommen, müssen erste Schritte gewagt und aus den Rückschlägen gelernt werden.

Fazit
Fest steht, dass es auch in der wenig digitalisierten Schweiz an der Zeit ist Massnahmen zu ergreifen, um zu verstehen wie gut unser Gesundheitssystem wirklich ist. Damit wird initial einiges an Aufwand auf alle Akteure zukommen, letztlich ist es aber eine unerlässliche Grundlage um mittelfristig weiterzukommen und faktenbasierte Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können.

Quelle Bild: https://www.quality.de/lexikon/qualitaet/

Alain Casanova
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