Tarif-Talk vom 11. September 2020 ein persönlicher Eindruck

Ein besonderer Studientag vom CAS Interprofessionelles Leistungs-und Tarifmanagement ist mir sehr präsent geblieben. Am 11. September 2020 fand ein interessanter Talk bezüglich der Spannungsfelder in unserer Gesundheitsversorgung statt.

In diesem Blog soll es im Wesentlichen um meine Wahrnehmung dieses Studientages gehen und weniger um eine fachliche Aufarbeitung des Themas “Tarifzukunft”.

An dem Talk nahmen verschiedene Redner aus unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens teil. Jeder Redner formulierte eigene Visionen und Ziele und daraus resultierende Herausforderungen, die es zum Thema Tarifstruktur zu bewältigen gilt. Das regte sehr zum Nachdenken an.

Es wurde deutlich, wie komplex die derzeitige Situation im Schweizer Gesundheitswesen ist. Trotzdem die Redner verschiedene Schwerpunkte beschrieben, konnte man einzelne Fragen immer wieder stellen:

Gibt es im Schweizer Gesundheitswesen innerhalb der einzelnen Akteure zu viele Player?

Wir haben 26 Kantonen über 40 Krankenkassen und ca. 281 Spitalbetriebe (Stand BAG 2019). Diese unterschiedlichen und vor allem vielzähligen Player erhöhen den Komplexitätsgrad aller Herausforderungen erheblich. Diese Tatsache ist allerding schon lange bekannt….

Jeder Player verfolgt individuelle Interessen. Individuallösungen innerhalb der Bereiche sind schon jetzt Realität. Vereinheitlichung oder eine Einigung scheint unrealistisch. Es gibt z.B. unterschiedliche Krankenkassenverbände und auch die Leistungserbringer verfolgen teils eigene Interessen.

Alle streben nach Innovation. Allerdings geht dabei jeder seinen eigenen Weg. Eindrücklich zeigt sich das beim Thema Gesundheits-Apps: Jede Krankenkasse hat ein eigenes Portfolio mit individuellen Lösungen. Gemeinsame Weiterentwicklung und Absprache mit anderen Krankenkassen finden wohl eher nicht statt. Es besteht eher ein Konkurrenzkampf bzgl. Innovation.

Je nach Redner an dem Tag schwankt die Meinung bzgl. der sinnvollsten Tarifstruktur. Wie sind die explodierenden Gesundheitskosten in den Griff zu bekommen? Wie können die offenbar viel zu komplexen Prozesse insofern optimiert werden, dass sie effektiv und kostenschonend ablaufen? Zudem sollte verhindert werden, dass der Patient, der im Zentrum der Prozesse stehen sollte, das Gefühl hat, in diesen Prozessen “verloren” zu sein. Dies wurde durch die Moderatorin mit einem “Flipperkasten” sehr anschaulich beschrieben.

Für mich war es ein sehr spannender Studientag. Es sei noch angemerkt, dass ich persönlich es sehr wertvoll gefunden hätte, die verschiedenen Redner auch in einen Dialog treten zu lassen. Evtl. im Sinne einer Podiumsdiskussion über den ganzen Tag verteilt?

Fazit
Das Thema Gesundheitsversorgung ist und bleibt eine grosse Herausforderung für uns alle. Diese Herausforderung kann nur gemeinsam gemeistert werden: Weniger Individualität und “Insellösungen” und mehr Gemeinsamkeiten und Harmonisierung.

Corinne Meier
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