Über den Nutzen interprofessioneller Bildung – Erfahrungsbericht eines CAS-Studierenden

Im Rahmen meiner Weiterbildung an der Hochschule für Wirtschaft Zürich berichte ich über meine Erfahrungen und Eindrücke in den letzten Monaten bei der Absolvierung des CAS Studienganges “Interprofessionelles Tarif- und Leistungsmanagement“.

Aufbau-Prozess
Im August 2020 ging es endlich los – der CAS Studiengang “Interprofessionelles Tarif- und Leistungsmanagement” begann an der HWZ in Zürich. Nach einigen interessanten vorgängig besuchten Informationsveranstaltungen und der intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik freute ich mich darüber, dass der Studiengang nun startete. Corona Massnahmen gab es zum Startzeitpunkt wenige und so konnte der erste Schultag im Präsenzunterricht stattfinden. Eine überaus interessante und vielversprechende Klassenzusammenstellung mit unterschiedlichen Berufsprofilen versprach spannende Diskussionen – und die Möglichkeit ein nachhaltiges und gewinnbringendes Netzwerk aufzubauen. Eine gute Umgebung, um eine lösungsorientierte Kommunikationskultur aufzubauen und eine tragfähige interprofessionelle Konfliktbewältigungskultur zu entwickeln – zwei Schlüsselkompetenzen, die durch den Studiengang gestärkt werden sollen.

Was hat Interprofessionalität mit Agilität zu tun?
Was heisst eigentlich Interprofessionalität? Klingt schlau – und ist es auch. Den Begriff der Interprofessionalität kennt man zwar in erster Linie bei Gesundheitsberufen, bei welchen eine patientenorientierte Versorgung im Fokus steht. Interprofessionalität ist aber auch ein anderer Begriff für Agilität – Angehörige verschiedener Berufsgruppen arbeiten unmittelbar zusammen im Sinne einer sich ergänzenden qualitativ hochwertigen und patientenorientierten Versorgung. Dieser Ansatz ist auch im Leistungs- und Tarifmanagement erfolgversprechend und aufgrund der hohen Komplexität der Materie auch notwendig.

Interprofessionelle Settings und Studiengang-Struktur
Das interprofessionelle Setting im Studiengang, welches einen Austausch auf Augenhöhe mit unterschiedlichen Stakeholder-Perspektiven im Zentrum schaffen soll, konnte ich bereits am ersten Schultag erfahren. Die erwähnte Zusammensetzung der Studienklasse mit Vertretern von stationären und ambulanten Leistungserbringern, Krankenversicherungen, der Pharmaindustrie und IT- Anbieter im Gesundheitswesen schaffte dazu bestmögliche Voraussetzungen.

Aufbaustudium
Im ersten Teil des Studiums, dem Aufbaumodul, erhielten wir die Gelegenheit, unser Wissen und unseren Umgang mit den bestehenden Standards im komplexen Gesundheitswesen der Schweiz zu festigen: von der Leistungszulassung über die Preis- und Tarifbildung bis zur Leistungsvergütung waren alle relevanten Themenbereiche miteingeschlossen. Spannend waren diejenigen Themenfelder, die mich in meiner hauptsächlichen Tätigkeit im beruflichen Alltag immer wieder herausfordern, zusammen mit Studienkollegen und Dozierenden zu besprechen. Ein übergeordnetes Verständnis für die verschiedenen Ansichtsweisen aller Teilnehmer in Gesundheitswesen ist meiner Ansicht nach einer der wichtigsten Kompetenzen, welche eine Mitarbeiterin im Leistungsmanagement im Gesundheitswesen mitbringen sollte. Als sehr gelungener Abschluss des Aufbaustudiums erlebte ich den Studientag, bei dem das Zürcher Verhandlungsmodell© für partnerschaftliche Stakeholder-Dialoge zur Anwendung kam. Zusammengefasst schuf das Aufbaustudium und damit der erste Teil des CAS-Studiengangs mit dem theoretischen Ansatz Sicherheiten, um ein übergeordnetes Verständnis der unterschiedlichen Teilnehmer in der Tarif- und Leistungslandschaft des schweizerischen Gesundheitswesen zu festigen.

Praxisstudium
Das Studium blieb jedoch nicht nur bei der Theorie, sondern wurde im zweiten Teil ganz praktisch. Und dies trotz strenger werdenden Corona Massnahmen und Verlagerung des Unterrichtes ins Home Office. Ähnlich wie im beruflichen Umfeld waren die Erfahrungen auch bei schulischen Inhalten via Zoom Sessions – funktioniert erstaunlich gut! Trotz den neu gewonnenen, wertvollen systemtechnischen Kompetenzen war es natürlich schade, die interessanten Unternehmungen bei den Study-Tours nicht vor Ort zu sehen. Diese Herausforderung meisterten die Unternehmungen aber sehr gut – indem sie ein spannendes und umfangreiches digitales Programm erstellten, bei welchem ein vertiefter Einblick in die Leistung – und Tarifprozesse der Unternehmungen möglich wurde. Preisbildung von Medikamenten und personalisierte Medizin, verschiedenste ambulante und stationäre Teilprozesse aber auch Leistungsabwicklungsprozesse der Kostenträger – anhand vieler verschiedenen Aspekten in der Gesundheitsökonomie lernten wir praktische Anwendungsgebiete, welche gewinnbringend in der alltäglichen Arbeit im Gesundheitswesen eingesetzt werden können. Von den vielfältigen Aufgabengebiete der Leistungserbringer zu hören war ebenso eindrücklich, wie die vielseitigen und bestens bekannten Herausforderungen der Mitbewerber. Aufschlussreich und lernreich waren neben bekannten Themen speziell auch diejenigen Prozesse, mit welchen ich im Tagesgeschäft nicht oder nur selten direkt konfrontiert bin, z.B bei der Entwicklung von neuartiger und innovativer Diagnostik mit Fragestellungen zur Vergütungspraxis.

Transferarbeit – Studierende in der Gestaltungsrolle
Die verschiedenen Ansichtsweisen aus der Leistungserbringung, den Leistungsträgern, der Herstellerindustrie, der Pharma und den Behörden zu kennen und besser zu verstehen ist ein wichtiges Ziel des CAS Studienganges. Im Theorieteil und im Praxisteil des Studiums konnte ich mich intensiver und mit neuen Einblicken damit auseinandersetzen. Als Abschluss des CAS Studienganges steht nun aktuell die Transferarbeit an. In dieser soll, mit einem eigenen Beitrag, eine konkrete und operativ umsetzbare Verbesserung in der interprofessionellen Zusammenarbeit im Tarif- und Leistungsmanagement geleistet werden. In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der Frage, zusammen mit Mitstudentinnen von Kostenträgern und Leistungserbringern, ob interprofessionelle Angebote bereits in der Einarbeitungsphase von neuen Mitarbeitern einen positiven Einfluss haben und damit einen Mehrwert für den Arbeitgeber generiert werden kann. Durch die Betreuung von Fachexperten und den regelmässigen Austausch mit meinen Kommilitoninnen befasse ich mich intensiv mit einer Fragestellung, welche ich zukünftig gewinnbringend in der Unternehmung einfliessen lassen kann.

Fazit
Eine gesamtwirtschaftliche Betrachtungsweise und die Entwicklung einer gewinnbringenden Zusammenarbeitskultur zwischen den verschiedenen Teilnehmern im Leistungs- und Tarifmanagement – diese beiden wichtigen Ziele konnte ich neben der Festigung in der komplexen Tariflandschaft und gesundheitsökonomischen Fragestellungen durch den CAS erreichen. Für Mitarbeiter in verschiedenen Positionen im Tarif- und Leistungsmanagement und für alle Mitarbeiter mit gesundheitsökonomischen Interesse ist der Studiengang ausserordentlich interessant und gewinnbringend – empfehlenswert um der Interprofessionalität im Tarif – und Leistungsmanagement die Bedeutung zuzumessen, welche sie verdient.

Manuel Furrer
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