Vergütung von Arzneimitteln im Einzelfall: Art. 71a-d KVV

Ob man will oder nicht, wenn man sich mit Leistungserbringung und Kostenübernahme zwischen den einzelnen Tarifpartnern und Akteuren auseinandersetzt, stolpert man über diesen oft zitierten Artikel. Er steht sinnbildlich für viele der Herausforderungen in unserem Gesundheitssystem, mit welchen wir Akteure uns in der täglichen Arbeit konfrontiert sehen.

Gut gemeint – Hürden in der Umsetzung:

Im Jahre 2011 wurde der Artikel vom Bund als Art. 71a-b eingeführt und ab 2017 steht die revidierte und aktuell gültige Version Art. 71a-d KVV zur Verfügung.

Dieser Artikel regelt Zugang und Finanzierung (Vergütungspraxis) von bereits verfügbaren Arzneimitteln bei tödlich oder schweren, chronisch verlaufenden Krankheiten (sofern noch keine zugelassene oder therapeutische Alternative in der Indikation verfügbar ist). Eigentlich eine sehr wichtige und gute Sache, die tatsächlich das Wohl des Patienten und Bürgers der Schweiz ins Zentrum stellt. So einfach und idealistisch die Idee dieses Gesetzesartikels ist, so schwierig ist die Auslegung für die involvierten Parteien wie Leistungserbringer, Kostenträger und Hersteller. Die Herausforderungen in der Auslegung und Umsetzung verhelfen dem Artikel zu einem ungewollten Bekanntheitsgrad, welcher sich tagtäglich in der Publikumspresse manifestiert. Im aktuell laufenden CAS ‘Interprofessionelles Tarif- und Leistungsmanagement in Health Care’ ist der Art. 71a-d KVV allgegenwärtig, findet an den meisten Kurstagen Platz, und führt oft zu angeregten Diskussionen.

Die sich ändernden Herausforderungen infolge des raschen medizinischen Fortschritts führen dazu, dass bestehende Regeln des Artikels, welche festgesetzt sind, den Bedürfnissen und dem medizinisch wissenschaftlichen Stand hinterher hinken.

Überarbeitung macht Sinn:

Mit viel Spannung erwarte ich das Fazit der interdisziplinären Gruppe, welche sich in der Transferarbeit dem Art.71 a-d KVV71 widmet. Ich hoffe wir können als Gruppe Anregungen und Empfehlungen formulieren, welche in der 2020 anstehenden Revision des KVV71 Artikels bereits berücksichtigt werden. In einer motivierten Gruppe ist viel möglich und wir Studienteilnehmenden haben in den nächsten Monaten die ausgezeichnete Gelegenheit, die Sichtweisen der anderen Akteure direkt zu erleben und besser zu verstehen. Ich bin überzeugt, dass es den Beitrag und das Entgegenkommen von allen Akteuren braucht, um eine Verbesserung in einem solch komplexen System zu erreichen.

Andreas Marti

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